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KI, Geodaten und Präzisionsvermessung im Fokus

Rückblick auf die DVW-Fachtagung Hessen 2026 in Wetzlar

Am 26. Mai 2026 fand die diesjährige Fachtagung des DVW Hessen – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e. V. in der Stadthalle Wetzlar statt. Rund 100 Fachleute aus Vermessung, Geoinformation, Landmanagement sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft nutzten die Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsthemen des Geoinformationswesens auszutauschen.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des DVW Hessen, Dipl.-Ing. Mario Friehl, richteten Oberbürgermeister Manfred Wagner sowie Oberstudiendirektor Michael Diehl von der Werner-von-Siemens-Schule Grußworte an die Teilnehmenden. Besonders positiv wurde aufgenommen, dass auch zahlreiche Vermessungstechniker-Auszubildende an der Fachtagung teilnehmen konnten.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die amtliche Vermessung

Den Auftakt der Fachvorträge gestaltete Dr. Jens Hollberg vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation mit einem Beitrag zur KI-basierten Analyse von Fernerkundungsdaten für die Aktualisierung des ATKIS Basis-DLM.

Anhand konkreter Anwendungsbeispiele zeigte er auf, wie Verfahren der Künstlichen Intelligenz bereits heute erfolgreich eingesetzt werden, um Veränderungen der Erdoberfläche automatisiert zu erkennen. Die vorgestellten Verfahren ermöglichen eine deutliche Beschleunigung der Datenfortführung und tragen gleichzeitig zur Verbesserung der Datenqualität bei. Der Vortrag machte deutlich, dass KI mittlerweile ein praxisreifes Werkzeug für die amtliche Geodatenhaltung darstellt und künftig einen festen Bestandteil digitaler Verwaltungsprozesse bilden wird.

Geoinformationen als Grundlage moderner Sicherheitsarchitekturen

Im zweiten Fachvortrag stellte Julia Dahmen vom Vermessungsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt die Nutzung kommunaler Geoinformationen zur Unterstützung polizeilicher Arbeit vor. Anhand verschiedener Anwendungsfelder wurde verdeutlicht, welchen Mehrwert Geobasisdaten, kommunale Fachdaten sowie 3D-Stadtmodelle für Einsatzplanung, Gefahrenabwehr, Verkehrsmanagement und kriminalistische Analysen bieten können. Besonderes Interesse fand das vorgestellte Konzept für einen strukturierten Datenaustausch zwischen Kommune und Polizei, das technische, organisatorische sowie datenschutzrechtliche Anforderungen berücksichtigt.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass der bereichsübergreifende Austausch von Geodaten künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird und eine wesentliche Grundlage datengetriebener Verwaltungs- und Sicherheitsprozesse darstellt.

Digitalisierung stärkt die Bürgerbeteiligung

Im Anschluss präsentierte Anna Völker vom Amt für Bodenmanagement Homberg (Efze) Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit zur Digitalisierung von Beteiligungsverfahren in der Flurbereinigung.

Am Beispiel des Open-Source-Systems DIPAS wurde aufgezeigt, wie sich Bürgerinnen und Bürger künftig einfacher in die Aufstellung von Wege- und Gewässerplänen einbringen können. Die Untersuchung machte deutlich, dass digitale Beteiligungsplattformen Planungsprozesse transparenter gestalten und Verfahren beschleunigen können. Gleichzeitig wurde herausgestellt, dass digitale Angebote die persönliche Kommunikation sinnvoll ergänzen, diese jedoch nicht vollständig ersetzen.

Innovative Messtechnik für höchste Genauigkeit

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete der Beitrag von Kira-Lynn Kopitzke über die prozessbegleitende Referenzlängenbestimmung großer drehbarer Objekte in photogrammetrischen Anwendungen.

Vorgestellt wurde ein neu entwickeltes Messkonzept, das im schwedischen Onsala Space Observatory erfolgreich erprobt wurde. Durch die Kombination photogrammetrischer Verfahren mit Lasertracker-Messungen konnte die Genauigkeit bei der Bestimmung schwerkraftbedingter Deformationen von Radioteleskopen erheblich verbessert werden. Der Vortrag verdeutlichte eindrucksvoll, welchen Beitrag moderne Messtechnik zur Weiterentwicklung des globalen geodätischen Referenzrahmens leisten kann.

Plattform für Innovation und fachlichen Austausch

Neben den Fachvorträgen bot die Veranstaltung ausreichend Gelegenheit zum persönlichen Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Ausbildung. Gerade dieser unmittelbare Wissenstransfer zählt seit vielen Jahren zu den besonderen Stärken der DVW-Fachtagungen.

Die Themen der diesjährigen Veranstaltung verdeutlichten eindrucksvoll die aktuellen Entwicklungsschwerpunkte des Vermessungs- und Geoinformationswesens. Künstliche Intelligenz, digitale Geodateninfrastrukturen, moderne Beteiligungsverfahren und innovative Messtechnologien zeigen, dass sich das Berufsbild zunehmend von der klassischen Datenerfassung hin zur intelligenten Analyse, Vernetzung und Nutzung raumbezogener Informationen entwickelt.

Mit der Fachtagung 2026 ist es dem DVW Hessen erneut gelungen, aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen mit praxisnahen Anwendungen zu verbinden und den Dialog zwischen Verwaltung, Hochschulen und Wirtschaft zu fördern. Die Veranstaltung unterstrich damit eindrucksvoll die zentrale Rolle der Geoinformation als Schlüsseltechnologie für die digitale Transformation öffentlicher Verwaltungen und zahlreicher weiterer gesellschaftlicher Anwendungsfelder.

Fachtagung 2025 Homberg (Efze) | Cello Trio
Musikalische Begleitung der Fachtagung durch die „Landstreicher“2025 - DVW Hessen e. V. - Fletling