München, 18. September 2026. Am 16. September 2026 fand im Conference Center Nord der Messe München das Real Estate Lab @ INTERGEO 2026 statt – eine gemeinsame Fachinitiative von DVW e. V., dem Wirtschaftsrat GDI-DE und der Hinte Expo & Conference GmbH. Unter dem Leitgedanken »Geodaten. Kaufpreise. KI – das neue Fundament der Immobilienwirtschaft« diskutierten deutsche und internationale Expertinnen und Experten aus Geoinformation, Immobilienwirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft, wie sich Deutschlands dichte, aber fragmentierte Immobiliendatenlandschaft zu einer datengetriebenen Infrastruktur weiterentwickeln lässt.
Unter den Gästen waren zudem Vertreterinnen und Vertreter des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) und der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE), der niederländischen Waarderingskamer sowie der Universität Zagreb aus Kroatien. Mit dem gewählten FIG-Präsidenten (2027–2030), Michalis Kalogiannakis, war zudem die internationale Vermessungsföderation FIG auf Präsidentschaftsebene vertreten.
1.1 Diagnose: Datenreichtum ohne Datennutzen
Grundlage der Veranstaltung war das White Paper »Real Estate and Its Data – Responsibility for the Future«, das die Ergebnisse des Real Estate Lab 2025 in Frankfurt zusammenfasst und weiterentwickelt. Es stellt fest: Deutschland verfügt über eine der dichtesten Immobiliendatenlandschaften Europas – und nutzt sie systematisch unter ihrem Potenzial, weil Daten fragmentiert, rechtlich unzureichend erschlossen und technisch nicht für die Anforderungen einer datengetriebenen Wirtschaft ausgelegt sind. Fünf Kernforderungen leiten sich daraus ab: ein Mindset-Wandel, die rechtliche Modernisierung des Baugesetzbuchs, die technische Vernetzung über ALKIS als Integrationsschicht, die Harmonisierung des Datenzugangs und eine verbindliche Qualitätssicherung. Zusätzlichen Zeitdruck erzeugt die EU-Geldwäscherichtlinie (2024/1640): Sie verpflichtet Deutschland bis Juli 2029 zur Einrichtung einer zentralen Zugangsstelle für Immobilieninformationen.
1.2 Vormittag: Offene Fachöffentlichkeit
Den Vormittag eröffnete Christian Hesse, Vizepräsident des DVW e. V., gefolgt von der Einführung durch Peter Ache, Leiter des DVW-Arbeitskreises »Immobilienwertermittlung« und Chairman der FIG Commission 9 »Valuation and the Management of Real Estate«. Ache stellte gemeinsam mit Sebastian Pache (ESRI Deutschland) das White Paper vor, bevor Eva Katharina Korinke (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, BBSR) im Rahmen der FIG Commission 9 die internationale Perspektive über das FIG Transparency Paper einordnete. Es folgten Peter Kutschke (Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern) zur Rolle der Geodateninfrastruktur in Deutschland und Prof. Dr. Gerd Buziek (ESRI Deutschland / Wirtschaftsrat GDI-DE) zur EU-INSPIRE-Novelle. Dr. Nikola Vučić (State Geodetic Administration of Croatia) stellte mit LADM Part 4 den neuen internationalen Standard für Bewertungsinformationen vor, Marcus Brühl (Koordinierungsstelle GDI-DE beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, BKG) sprach über Datenräume und Datentreuhandmodelle, und Dr. Michael Hellwig (ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss) präsentierte mit COALITION-X ein Trust-Framework für den Austausch von ESG-Gebäudedaten.
1.3 Nachmittag: Use Cases im geschlossenen Workshop
Am Nachmittag folgte im geschlossenen Experten-Workshop die praktische Vertiefung anhand konkreter Use Cases. Dr. Lorenz Thomschke (VALUE AG) zeigte, wie 3D-Gebäudemodelle das Sachwertverfahren in der Immobilienbewertung stützen können. Christian Sauerborn (Sprengnetter / ImmoScout24) und Sebastian Pache (ESRI Deutschland) verknüpften thermische Satellitendaten mit Immobilienpreisen am Beispiel Bonns. Andreas Hendricks (Universität der Bundeswehr München) untersuchte den Preiseinfluss von Wind- und Solarenergie auf landwirtschaftliche Flächen. In der abschließenden Podiumsdiskussion aller Referentinnen und Referenten ging es um die Frage, was die Praxis von Geodaten und Immobilienwerten künftig braucht.
1.4 White Paper geht an den Wirtschaftsrat der GDI-DE
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Übergabe des White Papers an Prof. Dr. Gerd Buziek als Vertreter und Unterstützer des Wirtschaftsrats GDI-DE. Buziek hatte das Dokument bereits im Vorfeld inhaltlich begleitet und leitet es nun an den Wirtschaftsrat weiter – als fachliche Grundlage für die politische Positionierung zur Einstufung von Immobiliendaten als High Value Datasets auf EU-Ebene.
„Das White Paper beschreibt, was zu tun ist – jetzt geht es an die Umsetzung. Mit der Übergabe an den Wirtschaftsrat GDI-DE bringen wir die Forderungen dorthin, wo sie politisch wirken können”, sagt Peter Ache, Initiator des Real Estate Lab und gewählter Vizepräsident der weltweit agierenden FIG (International Federation of Surveyors).










