Neben seiner Tätigkeit beim Amt für Geodaten und Kataster der Landeshauptstadt Dresden war Michael Buhler viele Jahre als Lehrausbilder und Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Vermessungstechniker und Geomatiker tätig. Im Interview gibt er uns Einblicke in seine berufliche Laufbahn, Veränderungen im Vermessungswesen und die Tätigkeit mit dem Berufsnachwuchs.
Interview
mit Michael Buhler
Hallo Herr Buhler, Sie sind nun kurz vor dem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand – wie fühlt sich dieser neue Lebensabschnitt für Sie an?
Zunächst bin ich ein wenig gespannt und neugierig, wie es mir gelingt, den „neuen Abschnitt“ zu meistern, mich wohlzufühlen, ohne etwas zu vermissen. Ich freue mich darauf, noch intensiver meinen Hobbys nachgehen zu können und Zeit zu haben für bestimmte Dinge, die ich bisher oft verschoben habe.
Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, eine Laufbahn im Vermessungswesen einzuschlagen?
Ich hatte bereits in der Oberschule Interesse für Mathematik, Physik, Geographie und wollte gern einen Beruf ergreifen, wo ich oft in der Natur bin, etwas berechnen kann und nicht in einer Werkhalle stehen muss. Eigentlich wollten meine Eltern, dass ich ein Musikstudium aufnehme, aber dazu reichten meine Fähigkeiten zum Klavier- und Violine-Spiel nicht aus, da ich als Jugendlicher auch andere Interessen hatte. Die Lehre zum „Vermesser“ war damals eigentlich nur zur „Überbrückung“ gedacht, bis ich mit den Instrumenten weiter vorankomme.
Welche Stationen Ihrer beruflichen Laufbahn im öffentlichen Dienst waren für Sie besonders prägend?
Das Studium an der Fachhochschule in Dresden war sehr interessant und erfolgreich, so dass ich mich immer mehr für das Vermessungswesen begeisterte. Anschließend begann meine Tätigkeit als Lehrausbilder, auch ein Jahr als Lehrer, in der Berufsschule in Dresden-Lockwitz. Die Ausbildung junger Menschen, die Chance, nach 1990 vielen Umschülern eine neue berufliche Basis zu schaffen, war für mich Herzenssache bis heute. Die zahlreichen Aufgaben in der Berufsausbildung waren (sind) für mich der nachhaltigste Inhalt in meiner beruflichen Laufbahn.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Wie hat sich das Vermessungswesen in dieser Zeit verändert?
Wie in ganz vielen Berufsfeldern hat sich natürlich auch im Vermessungswesen der Wandel zur digitalen Führung, zu modernen Technologien in den letzten 40 Jahren nachhaltig verändert. In der Lehrausbildung standen wir am Dahlta 020/Karti-250, haben mit der 2-Meter Basislatte Entfernungen bestimmt und jeden Morgen etwa zwei Stunden lang lateinische Buchstaben, auch rechts und links geneigt, sowie Deutsche Schrift normgerecht schreiben geübt. Viele Wochen lang kartierten wir manuell im zuvor gefertigten Quadratnetz und fertigten Hochzeichnungen in Tusche an. Begriffe, wie Laserscanning, Totalstation, Aufnahme mit Drohnen, aber auch „Geograf“ und „VermCAD“ waren damals für uns in weiter Ferne.
Welche technischen oder organisatorischen Entwicklungen haben Ihre Arbeit besonders beeinflusst?
Ganz klar, die Umstellungen auf die digitale Führung und Bereitstellung der Daten im Liegenschaftskataster, vor allem die digitale Erfassung der Liegenschaftskatasterakten, haben meine Arbeitsaufgaben verändert und bestimmt. Damit verbunden war auch die Recherche nach historischen Katasternachweisen in externen Archiven, die Bewertung zahlreicher Dokumente nach deren Bedeutung für das Liegenschaftskataster, woran man um die Jahrtausendwende noch nicht dachte.
Auf welche beruflichen Leistungen oder Projekte sind Sie besonders stolz?
Auf jeden Fall waren dies der erfolgreiche Einstieg als Lehrausbilder und ein Jahr später als Berufsschullehrer. Die Gestaltung meines Unterrichts bzw. meiner Unterweisungen brachten mir oft ein sehr positives Feedback. Auch auf meine Berufung in eine Arbeitsgruppe beim damaligen Innenministerium wo ich in den Jahren 2003 bis 2005, als Vertreter der unteren Vermessungsbehörden, die erste Verwaltungsvorschrift zur Führung des Liegenschaftskatasters mit erarbeiten durfte, bin ich sehr stolz. Ich bin unserem damaligen Amtsleiter, Herrn Krüger, noch heute sehr dankbar, dass er mir diese Aufgabe zugetraut hatte und meinem Mitwirken inhaltlich viel Vertrauen entgegenbrachte.
Sie haben den Vorsitz Prüfungsausschusses für die Vermessungstechniker und Geomatiker langjährig übernommen – wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Ich war seit 1987 als Berufsschullehrer tätig und durfte dann nach 1990/91 die Ausbildereignungsprüfung ablegen. Die Seminare dafür waren sehr umfangreich und brachten für meine Tätigkeit auch viele gute Erkenntnisse. Damit ausgestattet, bot mir die Berufsschule 1992 an, als deren Vertreter im Berufsbildungsausschuss mitzuarbeiten. Als 1994 sehr viele Umschüler im Freistaat Sachsen vor der Abschlussprüfung zum Vermessungstechniker standen, benötigte man weitere Ausschüsse für die Abnahme der mündlichen Prüfungen. Ich sagte zu, habe dann wohl nicht so viel falsch gemacht, und so entwickelte sich die Geschichte weiter – Mitglied in Prüfungsausschüssen, viele Jahre Vorsitz im Berufsbildungsausschuss und 2016 übernahm ich den Vorsitz des gemeinsamen Prüfungsausschusses.
Was hat diese verantwortungsvolle Tätigkeit für Sie besonders gemacht?
Ich hatte unmittelbar nach meinem Studienabschluss den Einstieg in die Berufsausbildung gefunden und spürte damals schon nach kurzer Zeit, wie genial es ist, wenn man junge Menschen für gemeinsame Ziele begeistern kann und wie Erfolge einander verbinden. In meiner einjährigen Tätigkeit als Lehrer und später im Unterricht mit zahlreichen Umschülern machte es mich ein wenig stolz, wenn Lernende, gerade in der Mathematik oder Vermessungstechnik, beharrlich Wissenslücken schließen konnten und immer besser verstanden, auch schwierige Aufgaben zu lösen. Bestandene Prüfungen sind für Schüler wie Lehrer oder Ausbilder ein tolles Ziel, wofür es sich lohnt, sein Bestes zu geben.
Welche Bedeutung hat die Arbeit in Prüfungsausschüssen für die Qualität und Zukunft des Berufsstandes?
Jeder, der in einem Prüfungsausschuss mitarbeitet, sollte sich bewusst sein, welche Aufgabe er (sie) für die Entwicklung unseres Nachwuchses übernimmt. Es geht nicht zuletzt darum, Aufgaben zielgerichtet und verständlich zu formulieren, Fragen in mündlichen Prüfungen oder Fachgesprächen eindeutig zu stellen, eine breite Palette aus den Themen des jeweiligen Prüfungsbereiches korrekt abzufordern und vieles mehr.
Die Qualität der durchgeführten Prüfungen und der Umgang mit den Prüflingen prägen sicher ganz entscheidend die Entwicklung junger Menschen, bleiben nicht selten in Erinnerung und spornen an.
Mitglieder von Prüfungsausschüssen benötigen für ihre Tätigkeiten genügend Zeit, Unterstützung (z. B. Fortbildungen), Anerkennung und, ganz wichtig, die fachliche und persönliche Eignung.
Was haben Sie aus Ihrer beruflichen Laufbahn persönlich mitgenommen?
Es war genau der richtige Beruf, den ich nach meiner Schulzeit erlernt habe. Die Tätigkeiten als Vermesser, sowohl als Techniker wie als Ingenieur, sind unwahrscheinlich vielfältig, waren für mich sehr spannend und gaben mir die Chancen, meine Kenntnisse in vielen Richtungen zu vertiefen. Bei meinen Aufgaben als Lehrausbilder und in den Prüfungsausschüssen konnte ich mich in nahezu der ganzen Breite des Berufsfeldes engagieren. Meine beruflichen Stationen im Amt für Geodaten und Kataster Dresden, als Sachgebietsleiter Fortführung bzw. Vorbereitung, waren für mich in vielerlei Hinsicht gewinnbringend, z. B. beim Umgang mit Rechtsvorschriften, Verwaltungsprogrammen oder in der Historie des Vermessungswesens.
Gibt es etwas, das Sie im Rückblick anders machen würden?
Während meiner Fortbildung für die Beamtenlaufbahn durfte ich auch einige Wochen in der Flurneuordnung mitarbeiten. Dieses Betätigungsfeld faszinierte mich und in mir reifte die Überlegung, eine Tätigkeit in diesem Bereich aufzunehmen. Diesen Schritt hatte ich dann nicht mit letzter Konsequenz verfolgt, obwohl die eine oder andere Möglichkeiten dazu bestand. In unserem Amt gab man mir später leider nicht mehr die Chance für einen Wechsel in die Flurneuordnung.
Welche Eigenschaften waren aus Ihrer Sicht entscheidend für eine erfolgreiche Tätigkeit in Ihrem Beruf?
Im Vermessungswesen spielen Genauigkeit, Gründlichkeit und Verständnis für mathematische Grundlagen, von jeher eine entscheidende Rolle. Dies war mir sozusagen ein bisschen „in die Wiege“ gelegt, bereits in meiner Schulzeit konnte ich diese Eigenschaften ausprägen. Während der Berufsausbildung und im Studium wurden jene Fähigkeiten vertieft und wurden zu Eckpfeilern meiner Tätigkeiten.
Worauf freuen Sie sich in Ihrem Ruhestand besonders?
Ich betreibe schon seit langer Zeit einige Hobby’s, welche mir sehr am Herzen liegen. So singe ich seit 1992 im Bergsteigerchor „Kurt-Schlosser“, starte jährlich bei etwa 40 bis 50 Wettkämpfen im Orientierungslaufen und trainiere wöchentlich meine Hüften beim Hobby-Tanzkurs. Da ich auch gern im Garten tätig bin, auf Reisen, wandern und ins Fitness-Studio gehe, ist mein Wochenplan meist gut gefüllt. Ab Juni möchte ich alles intensiver erleben, mal öfters zum Training gehen, den Singvögeln auf der Terrasse lauschen, noch ein bisschen mein Englisch verbessern und meine Violine wieder häufiger zum Klingen bringen. Dann schauen wir mal, wozu ich mich noch überreden lasse.
Welche Wünsche oder Empfehlungen möchten Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen im Vermessungswesen mit auf den Weg geben?
Die Entwicklung zu modernen Technologien ist rasant vorangeschritten, geht weiter und beherrscht die Medien, Ausstellungen, Foren, nicht zuletzt die Berufsausbildung – eigentlich fast jede Aufgabe im Vermessungswesen. Dadurch werden viele Arbeitsvorgänge automatisiert, mit KI kann man sich verbreitet informieren. Dies ist aber auch ein wenig gefährlich, gerade für junge Menschen, weil man nicht mehr nach dem „Wie ist es entstanden?“ oder „Warum funktioniert es genau so?“ fragt. Man sollte sich auch in Zukunft mit mathematischen und vermessungstechnischen Grundlagen, Funktionsweisen und gewissen Theorien beschäftigen, um handlungsfähig zu bleiben.
Was sollte aus Ihrer Sicht im öffentlichen Dienst unbedingt bewahrt werden – und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?
Bestimmte Aufgaben, z. B. die Führung des Liegenschaftskatasters und die Landesvermessung gehören in den öffentlichen Dienst, sichern das gesellschaftliche Zusammenleben und sind, im Grunde genommen, Dienstleistungen für die Bürger. Dies sollte nicht in Abhängigkeit wirtschaftlicher Interessen gestellt werden. Natürlich muss man dabei sortieren, welche Aufgaben sind wirklich für viele Bürger und Einrichtungen notwendig und was kann man sich sparen, weil es nur wenige nutzen oder weil der Aufwand unverhältnismäßig ist. Es sollte auch wieder möglich sein, dass Vermessungsbehörden die im Bestand der Stadt oder Gemeinde befindlichen Gebäude und Grenzen aufmessen dürfen, wenn der Personalbestand es zulässt. Miteinander ist manchmal besser als Aufgabenabgrenzung.
Und…da mir der Nachwuchs besonders am Herzen liegt….weitere zentrale Lehrgänge in der praktischen Berufsausbildung, so wie in Brandenburg oder Hessen, wären ohne jeden Zweifel ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Ausbildungs- und Prüfungsleistungen.
Lieber Herr Buhler, vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen für den Ruhestand alles Gute und gutes Gelingen bei allen anstehenden Projekten!
Die Fragen stellte Felix Raderecht






