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Besichtigung der Baustelle der Neckartalbrücke Horb durch die DVW-Bezirksgruppe Tübingen

Bericht

Am Samstag, den 7. März 2026, nahm eine wackere kleine Gruppe von sechs Geodäten an einer geführten Besichtigung der Baustelle der neuen Hochbrücke bei Horb am Neckar teil. Die Exkursion erfolgte im Rahmen einer Baustellenführung (mit insgesamt 20 Teilnehmenden), die vom Regierungspräsidium Karlsruhe veranstaltet wurde. Die DVW-Bezirksgruppe Tübingen hatte ein Kontingent an Besichtigungsplätzen für DVW-Mitglieder und interessierte Gäste reserviert. Treffpunkt war am Baustellencontainer auf der südlichen („Nordstetter“) Talseite, wo die Teilnehmer mit der notwendigen Sicherheitsausrüstung ausgestattet wurden. Erfreulicherweise fiel die Führung auf einen Tag mit wunderbar sonnigem und trockenem Frühlingswetter, was die Besichtigung angenehm und die Sicht auf das Baugeschehen zusätzlich erleichterte. Für die DVW-Mitglieder war der Samstagstermin allerdings nicht so günstig, da er bei einigen zu Überschneidungen mit privaten Verpflichtungen und anderen Terminen führte, sodass die Teilnehmerzahl leider stark unter den Erwartungen blieb.

Die Führung übernahm der ehrenamtliche Baustellenguide Volker Weber aus Horb, beruflich als Bauwerksprüfer beim Regierungspräsidium Tübingen tätig, der mit viel Fachkenntnis und Engagement durch das beeindruckende Großprojekt leitete. Die Hochbrücke bei Horb ist das zentrale Bauwerk im Zuge des Projekts "B 32 Ortsumfahrung Horb am Neckar", das insgesamt eine Neubaustrecke von rund 2,1 Kilometern umfasst und nach Fertigstellung die Horber Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Mit einer Brückenlänge von 667 Metern zählt das Bauwerk zu den größten Straßenbrücken in Baden-Württemberg. Die Höhe der Fahrbahn über dem Neckar beträgt rund 70 Meter, die imposanten Pfeiler erreichen eine Höhe von bis zu 90 Metern. Das Gesamtprojekt Ortsumfahrung Horb soll nicht nur die Verkehrsführung der Bundesstraße verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Luftreinhaltung, zum Lärmschutz, zur Verkehrssicherheit und allgemein zur Lebensqualität in Horb und den angrenzenden Stadtteilen leisten, indem die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlastet wird.

Die Baukosten belaufen sich nach aktuellem Schätzungsstand auf rund 170 Millionen Euro. Für die Bauausführung ist die österreichische Firma Porr als Generalunternehmer beauftragt. Mit der Fertigstellung des Gesamtprojekts, einschließlich der Brücke, ist nach derzeitiger Planung frühestens im Jahr 2028 zu rechnen. Die Bauarbeiten laufen in reduziertem Umfang auch samstags, wobei die Baustellenführungen bewusst ausschließlich an diesem Tag angeboten werden, um den regulären Bauablauf unter der Woche möglichst wenig zu stören.

Im Verlauf der Führung gab Volker Weber detaillierte Einblicke in die Bauabläufe, die technischen Herausforderungen und die Sicherheitsaspekte auf der Großbaustelle. Besonders hingewiesen wurde auf die umfangreichen Arbeitsschutzmaßnahmen. Im Jahr 2025 geschah hier ein tragischer Arbeitsunfall mit drei Todesopfern, der zu einer nochmals verstärkten Aufmerksamkeit für die Sicherheitsbelange führte.

Neben den Arbeiten hoch über dem Neckartal war – besonders für Vermesser – die Besichtigung des Kontrollschachts im südlichen Widerlager der Brücke ein besonderes Highlight. In diesem Kontrollschacht wird die thermische Ausdehnung der Brückenkonstruktion mit fest angebrachten Messskalen überwacht. Die Besucher erhielten die seltene Gelegenheit, diesen ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereich aus nächster Nähe kennenzulernen und sich über die Bedeutung solcher Kontrollbauwerke für die langfristige Sicherheit und das Monitoring großer Infrastrukturanlagen zu informieren.

Die Teilnehmer zeigten sich am Ende sehr zufrieden mit der Organisation und mit den praxisnahen Einblicken in eines der bedeutendsten aktuellen Infrastrukturprojekte Baden-Württembergs. Besonderer Dank gilt unserem Baustellenguide Herrn Volker Weber für die fachkundige Leitung, Frau Beate Stilz vom Regierungspräsidium Karlsruhe für die unbürokratische Unterstützung der Organisation für die Gruppenanmeldung sowie dem Kollegen Otto Bogenschütz als Organisator seitens der DVW-Bezirksgruppe Tübingen.

Text: Tillmann Faust

Bilder: Peter Scholl und Tillmann Faust